Opel ohne GM: dexos oder Stellantis-Freigaben?

Oder wie Sie erkennen, wessen Motor in Ihrem Opel steckt

In dieser Rubrik: 2 Artikel
  1. Welches Öl gehört in einen Opel?
  2. Opel ohne GM: dexos oder Stellantis-Freigaben?

„Opel ist GM, und GM ist dexos.“ Mit dieser schlichten Logik gehen viele Opel-Besitzer Öl kaufen, und der Verkäufer nimmt bereitwillig den Kanister mit dem dexos-Logo aus dem Regal. Für ein Auto, das Anfang der 2010er-Jahre gebaut wurde, ist diese Wahl höchstwahrscheinlich richtig. Bei einem neueren Opel ist das aber keineswegs sicher. Opel gehört nämlich schon lange nicht mehr zu General Motors, und unter der Haube vieler Opel arbeiten Motoren eines ganz anderen Konzerns.

Ich wiederhole mich noch einmal: Das Öl wird nach den Anforderungen des konkreten Motors ausgewählt, nicht nach dem Emblem auf der Haube. Eine Hersteller-Freigabe ist eine enge Spezialisierung des Öls für bestimmte Motoren (Näheres im Artikel was Ölfreigaben sind), und wenn eine Marke den Besitzer wechselt, ändern sich mit den Motoren auch die Freigaben.

Von GM-LL zu dexos

Über die alten Opel-Freigaben war schon im Artikel welches Öl in einen Opel gehört die Rede: Es gab nur zwei, GM-LL-A-025 für Benzinmotoren und GM-LL-B-025 für Dieselmotoren. Ab dem Modelljahr 2010 ersetzte in Europa beide das einheitliche dexos2, ein Standard von General Motors für Benzin- und Dieselmotoren, auch mit Partikelfilter. Das Benzin-dexos1 führte GM zunächst für Nordamerika ein (zum Erscheinen beider siehe die Meldung über die dexos-Spezifikationen). Später stellten die Benzinmotoren von Opel auf dexos1 der zweiten Generation um, und für einen Teil der neueren Motoren von GM-Konstruktion, Benziner wie Diesel, führte Opel eine eigene Freigabe OV 040 1547 ein – dexos1 genügt dort nicht mehr.

Für einen Opel, der noch zu GM-Zeiten konstruiert wurde, gilt also eine einfache Regel: Was im Serviceheft steht – GM-LL, dexos1, dexos2 oder OV 040 1547 –, das füllen Sie ein. Ein Öl mit dexos2-Lizenz passt in der Regel auch dort, wo im Heft noch GM-LL-A-025 oder GM-LL-B-025 angegeben ist: Genau als Nachfolger für diese wurde der Standard geschaffen.

Nun zu der Verwirrung, die man auch von Verkäufern hört. GM verabschiedet sich schrittweise von dexos2 und stellt seine amerikanischen Motoren auf neue eigene Standards um: dexosD für Diesel, dexosR für leistungsstarke Benzinmotoren. Das ist eine interne Angelegenheit von GM und keine „Nachfolger von dexos2 für Opel“: Sie wurden nicht für die europäischen Opel entwickelt, und Opel verlangt sie nicht. Wenn man Ihnen dexosR also als „das neue dexos für Ihren Opel“ anbietet, bedanken Sie sich und schauen Sie ins Serviceheft.

Und falls ein Öl mit dexos2 mit der Zeit schwerer zu finden sein wird: Was es in Ihrem Opel ersetzt, entscheidet das Serviceheft oder der Vertragshändler, nicht der Verkäufer.

Was sich seit 2017 geändert hat

Am 1. August 2017 schloss das französische PSA den Kauf von Opel von GM ab, und am 16. Januar 2021 fusionierte PSA mit FCA (Fiat Chrysler) zum Konzern Stellantis. Seither ist Opel ein Nachbar von Peugeot, Citroën, DS und Fiat, und neuere Opel bekommen PSA-Motoren: zum Beispiel den Benziner 1.2 PureTech oder den Diesel 1.5 BlueHDi. Für solche Motoren braucht man Öle mit PSA/Stellantis-Freigaben, nicht dexos – der GM-Standard betrifft sie schlicht nicht.

Eine Falle gibt es dabei: Das Baujahr allein garantiert nichts, denn Modelle, die noch unter GM entwickelt wurden, bekamen nicht unbedingt sofort neue Motoren. Das Emblem auf der Haube ist wie das Schild über einem Laden: Der Inhaber hat gewechselt, das Schild ist geblieben, und was drinnen ist, muss man sich ansehen.

Ein gutes Beispiel ist der Opel Combo. Der Combo, der auf Basis des Transporters Fiat Doblo erschien, war im Grunde ein „Fiat“. 2018 löste ihn eine Generation auf PSA-Plattform ab, die er sich mit dem Citroën Berlingo und dem Peugeot Partner teilt. Der Name ist derselbe, die Technik unter der Haube ist eine ganz andere, also sind auch die Anforderungen an das Öl andere.

Stellantis-Freigaben: B71 und FPW 9.55535

PSA hatte eigene Freigaben mit dem Code B71 und vier Ziffern. Drei davon sollte ein Besitzer kennen: PSA B71 2290 – ein 5W-30-Öl, PSA B71 2312 – ein 0W-30-Öl, PSA B71 2010 – ein 0W-20-Öl.

Nach der Gründung von Stellantis begann der Konzern, die Normen all seiner Marken – PSA B71, die Fiat-Norm 9.55535 und dexos, das Opel verlangte – in einem System FPW 9.55535 zusammenzuführen, in dem die Freigabe durch die Nummer nach dem Schrägstrich bestimmt wird:

FPW 9.55535/01 – 0W-20-Öl mit reduziertem Aschegehalt für Motoren mit Partikelfilter (Benzin oder Diesel); es löste B71 2010 ab.

FPW 9.55535/02 – 0W-30-Öl, Nachfolger von B71 2312.

FPW 9.55535/03 – 5W-30-Öl, ungefähr dort, wo früher B71 2290 stand.

Die Fiat-Freigaben mit Buchstaben (9.55535-S1, S2, N2, G2, D2 und andere) werden in dieselbe Nummerierung überführt, auch wenn die alten Codes auf vielen Kanistern noch auftauchen. Welcher neue Code dem alten für Ihren Motor entspricht, sagt Ihnen der Vertragshändler.

Hinweis: Die Viskosität ist Teil der Freigabe. /01 und /02 sind nicht ein „besseres“ und ein „schlechteres“ Öl, sondern verschiedene Öle für verschiedene Motoren, und das eine nach eigenem Gutdünken durch das andere zu ersetzen geht nicht. Und eine Aufschrift wie „entspricht den Anforderungen PSA B71 2312“ oder „empfohlen, wo FPW 9.55535/02 gefordert ist“ bedeutet, dass der Ölhersteller sich die Freigabe selbst zugesprochen hat. Für empfindliche Motoren – und der 1.2 PureTech mit dem im Öl laufenden Zahnriemen ist genau so einer – suchen Sie ein Öl mit einer echten Freigabe, die der Autohersteller bestätigt hat. Warum es keine einzelne Freigabe „für alle PureTech“ gibt, steht im Artikel über den Zahnriemen im Öl.

So finden Sie heraus, welches Öl Ihr Auto braucht

Klären Sie also zuerst, wessen Motor Sie haben, und wählen Sie erst dann den Kanister.

1. Schlagen Sie das Serviceheft oder die Betriebsanleitung auf und suchen Sie den Freigabecode – nicht den Namen eines Öls, sondern genau den Code. GM-LL, dexos1, dexos2 oder OV 040 1547 – ein Motor von GM-Konstruktion. B71 oder FPW 9.55535 – ein PSA/Stellantis-Motor. 9.55535 mit Buchstaben (S1, N2 usw.) – eine Fiat-Vorgabe.

2. Achten Sie auf den Motorcode, nicht auf den Namen. Peugeot und Citroën schreiben PureTech oder BlueHDi, Opel nennt seine PSA-Motoren in der Regel nicht so: In Unterlagen und Preislisten steht schlicht „1.2 Turbo“ oder „1.5 Diesel“, und auf der Motorabdeckung prangt derselbe Opel-Blitz. Zudem gab es „1.2 Turbo“ auch bei Opel mit GM-Motor, der Name entscheidet also nichts. Entscheidend ist der Motorcode: Er ist in den Zylinderblock eingeschlagen und lässt sich über die VIN vom Händler oder in der Werkstatt ermitteln – und am Code sieht man sofort, wessen Motor es ist, was immer für ein Emblem auf dem Kühlergrill sitzt.

3. Kein Heft zur Hand – fragen Sie den Händler anhand der VIN. Der offizielle Markenvertreter sagt Ihnen, welcher Motor im Auto steckt und welches Öl der Hersteller heute für ihn verlangt. Letzteres ist wichtig: Der Konzern präzisiert die Anforderungen mitunter auch für bereits verkaufte Autos – für einen Teil der 1.2-PureTech-Motoren wurden sie zum Beispiel später verschärft.

Dieselbe Logik gilt auch für Opels „Verwandte“ im Konzern: Bei älteren Peugeot und Citroën ist es B71, bei Fiat 9.55535 mit Buchstaben, bei neueren Autos in der Regel FPW 9.55535. Der erste Schritt ist immer derselbe, und um ihn geht es im Artikel über die Herstellerempfehlungen.

Fazit: Das dexos-Logo auf dem Kanister sagt für sich genommen nichts darüber, ob dieses Öl zu Ihrem Opel passt – das sagen nur das Serviceheft oder der Händler. Und dem Verkäufer, der selbstsicher rät „Für Opel nehmen Sie dexos“, können Sie eine einfache Frage stellen: „Und wessen Motor habe ich?“