Fiat 9.55535-S1, S2, S3, DS1: Was bedeuten die Fiat-Codes auf dem Kanister?

Oder: Warum können zwei Öle „für Fiat“ völlig verschieden sein?

In dieser Rubrik: 2 Artikel
  1. Fiat 9.55535-S1, S2, S3, DS1: Was bedeuten die Fiat-Codes auf dem Kanister?
  2. PSA B71 2290, 2296, 2312: Welches Öl verlangt Ihr Peugeot oder Citroën?

Im Serviceheft des Diesel-Fiat steht „9.55535-S1“, im Regal steht ein Kanister mit der Aufschrift „Fiat 9.55535-S2“. Der Verkäufer sieht kein Problem: „Das ist doch dieselbe Fiat-Freigabe, und die Zwei ist sogar die neuere.“ Klingt überzeugend, und genau so kaufen viele Besitzer von Fiat, Alfa Romeo und Lancia ihr Öl. Aber S1 und S2 sind nicht zwei Fassungen derselben Freigabe, sondern zwei verschiedene Öle für verschiedene Motoren.

Was eine Herstellerfreigabe ist und warum sie mehr zählt als die Qualitätsklasse, steht im Beitrag was Freigaben für Motoröle sind; das Wichtigste daraus gilt weiter: Eine Freigabe ist keine Qualitätsstufe, sondern eine enge Spezialisierung des Öls. Und im Beitrag über Opel ohne GM war schon die Rede davon, dass der Stellantis-Konzern die Fiat-Codes mit Buchstaben auf die neue Nummerierung FPW 9.55535 umstellt. Hier nehmen wir uns die Codes selbst vor, die auf Kanistern am häufigsten vorkommen.

So lesen Sie den Code 9.55535

9.55535 ist die Nummer der Fiat-Norm für Motoröle, und die Buchstaben samt Ziffer hinter dem Bindestrich sind eine eigene Spezifikation mit eigener Viskosität, eigenen Anforderungen und einem eigenen Kreis von Motoren. „9.55535“ allein sagt also so gut wie nichts, ungefähr wie der Ortsname auf einem Briefumschlag ohne Straße und Hausnummer.

Fiat hat jahrzehntelang neue Suffixe für neue Motoren dazugeschrieben, und die alten Codes sind nicht verschwunden: Die Autos, für die sie gemacht wurden, fahren ja noch. Drei, vier Fiat-Codes hintereinander auf einem Kanister sind deshalb normal, solange Ihrer darunter ist.

Bei den neueren Codes verraten die Buchstaben teilweise den Zweck: GS1 beschreiben die Ölhersteller als Code für Benzinmotoren, DS1 und DSX für Dieselmotoren. Einen allgemeinen „Schlüssel“ gibt es aber nicht, und aufs Raten nach Buchstaben sollten Sie sich nicht verlassen: S1 bringen die Ölhersteller zum Beispiel vor allem mit Dieselmotoren in Verbindung, S2 dagegen mit Benzinmotoren.

Die häufigsten Codes: Was dahintersteckt

Die Fiat-Normen selbst sind öffentlich nicht zu finden. Unten steht deshalb, was die Ölhersteller selbst in ihren technischen Datenblättern zu den einzelnen Codes schreiben. Motoren sind nur dort genannt, wo sie ausdrücklich angegeben sind; wenn nichts anderes steht, geht es um Motoren von Fiat, Alfa Romeo und Lancia.

Code Viskosität ACEA-Klasse (laut Öl-Datenblättern) Wofür (laut Öl-Datenblättern)
S1 5W-30 C2 Diesel 1.3, 1.6 und 2.0 Multijet, gebaut ab 2007
S3 meist 5W-30 C3 Diesel 2.2, 2.8 und 3.0 Multijet und CRD (unter anderem Jeep), ab 2011
S2, T2, GH2 5W-40 C3 ein Teil der Benzinmotoren, gebaut ab Juli 2007
S4 5W-30 C4 Diesel von Renault-Bauart mit Rußpartikelfilter in Fiat-Fahrzeugen
M2, N2, H2, Z2 5W-40, mitunter 0W-40 A3/B4 die meisten Benzin- und Dieselmotoren, gebaut vor Juli 2007; Z2 unter anderem Diesel mit zwei Turboladern
GS1 0W-30 C2 neuere Benzinmotoren, darunter ein Teil der Zweizylinder-TwinAir
DS1 0W-30 C2 neuere Euro-6-Diesel, mit und ohne AdBlue
GSX, DSX 0W-20 mittlerer Aschegehalt; auf den Ölen meist C5/C6 neue Generationen von Benzin- und Dieselmotoren, darunter der Diesel 2.2 im Alfa Romeo Giulia und Stelvio und der 1.6 Multijet mit AdBlue
G1 5W-30 A5/B5 einzelne Benzinmotoren von Fiat und Jeep
H3 10W-60 A3/B4 leistungsstarke Motoren, vor allem Benzin-V6
CR1 0W-20, 5W-20 oder 5W-30 - (Anforderungen auf ILSAC-Niveau) die Fiat-Bezeichnung für die amerikanische Chrysler-Norm MS-6395
D2, G2 meist 10W-40 auf den Ölen meist A3/B4, mitunter A3/B3 Motoren in den Öl-Datenblättern nicht genannt

Es gibt auch seltenere Codes: DH1 (ein 0W-30 für Diesel in Nutzfahrzeugen) und DM1 (ein 0W-20, das in den Datenblättern neben PSA B71 2010 steht).

Besitzer von Jeep, Dodge oder Chrysler sollten wissen, dass bei Chrysler dieselben Anforderungen eigene „Spiegelnummern“ tragen. MS-12991 entspricht den Fiat-Codes für 5W-40 (S2, M2, N2 und weiteren), dann folgen diese Paare: GS1 und MS-13340, DS1 und MS-90047, GSX und MS-12145, S3 und MS-11106, G1 und MS-50081. Was Sie sonst noch in der Betriebsanleitung eines Autos aus Übersee nachlesen sollten, steht im Beitrag über Öl für Autos aus den USA.

Warum S1, S2 und S3 nicht austauschbar sind

Sehen Sie sich die Tabelle noch einmal an: Bei den drei „benachbarten“ Codes ist fast alles verschieden, was überhaupt verschieden sein kann.

1. Viskosität. S1 und in der Regel auch S3 sind 5W-30, S2 ist 5W-40. Und die Viskosität ist Teil der Freigabe: Der Fahrzeughersteller hat sie für einen bestimmten Motor festgelegt, und davon abzuweichen ist nicht zulässig.

2. Hochtemperaturviskosität HTHS (einfach gesagt: die Dicke des Ölfilms an den am stärksten belasteten Stellen eines heißen Motors). Die Klasse C2, auf der S1 beruht, lässt HTHS ab 2,9 mPa·s zu, während C3, auf der S2 und S3 beruhen, mindestens 3,5 mPa·s verlangt. Ein Motor, der für 3,5 mPa·s konstruiert wurde, bekommt mit dünnerem Öl einen dünneren Film, als die Konstrukteure vorgesehen haben. Und was in einen Motor gefüllt werden darf, der für dünneres Öl ausgelegt ist, entscheidet allein sein Hersteller.

3. Aschegehalt. S1, S2 und S3 gehören zu den Ölen mit mittlerem Aschegehalt (Sulfatasche bis 0,8 %), S4 zu den aschearmen (bis 0,5 %), M2, N2 und Z2 mit ihrem A3/B4 dagegen sind vollaschig: Sie dürfen bis zu 1,6 % Asche enthalten. Füllen Sie das „gute alte“ M2 in einen Diesel mit Partikelfilter, setzt die Asche, die bei der Regeneration des Filters nicht verbrennt, ihn nach und nach zu. Mehr zu diesen Klassen steht im Beitrag über die aktuellen ACEA-Klassen.

Eine größere Ziffer im Suffix heißt also nicht „neuer und besser“: S2 ist kein Nachfolger von S1, sondern ein Nachbar mit anderer Viskosität für ganz andere Motoren. Bei den Buchstaben ist es genauso: GS1 und DS1 haben dieselbe Viskosität und dieselbe ACEA-Klasse, wurden aber für verschiedene Motoren geschrieben.

Von den alten Codes zu FPW 9.55535

Nach dem Zusammenschluss von PSA und FCA zu Stellantis hat der Konzern begonnen, die Normen seiner Marken in einem System zusammenzuführen: FPW 9.55535 mit einer Nummer hinter dem Schrägstrich. Die Nummer hängt hier an der Viskosität: 0W-20 (/01), 0W-30 (/02), 5W-30 (/03), 10W-40 (/04) und 5W-40 (/09 und /10); es kommen auch weitere Nummern vor, etwa /05. Die Nummern /09 und /10 sind verschiedene Freigaben für dieselbe Viskosität: Öle mit /09 haben das ACEA-Niveau C3, Öle mit /10 A3/B4.

Eine allgemein zugängliche „Übergangstabelle“ von Stellantis gibt es nicht, aber in den Datenblättern von Ölen mit FPW-Freigabe führen die Hersteller die alten Codes auf, die ein solches Öl ersetzen kann (auf Englisch heißt das „backward compatible“). Es ergibt sich ungefähr dieses Bild:

  • FPW 9.55535/01 (0W-20) – unter anderem anstelle von GSX, DSX, DM1 und CR1;
  • FPW 9.55535/02 (0W-30) – anstelle von S1, GS1, DS1, DH1 und G1;
  • FPW 9.55535/09 (5W-40, C3) – anstelle von S2, T2, GH2 und M2;
  • FPW 9.55535/10 (5W-40, A3/B4) – anstelle von M2, N2, Z2 und G2.

S3 steht in einer dieser Listen unter /10, neben einem vollaschigen A3/B4-Öl, was schlecht zur Klasse C3 passt, auf der S3 beruht; S4 fehlt dort ganz. Hier gilt: in die Unterlagen des Autos schauen. Und achten Sie auf die Richtung: Ein Öl mit neuem Code kommt dorthin, wo der alte verlangt wurde, nicht umgekehrt. Ein Kanister mit der Aufschrift „S1“ wird nicht zu einem /02-Öl, nur weil im Datenblatt irgendeines /02-Öls eine Zeile über S1 steht.

Woher kommt eigentlich der Name Selenia auf den Kanistern beim Fiat-Händler? Die Marke ist aus der Schmierstoffsparte von Fiat hervorgegangen und lieferte auch nach ihrer Verselbstständigung (heute gehört sie dem malaysischen Konzern Petronas) das Öl für die Erstbefüllung bei Fiat. In den Datenblättern neuerer Selenia-Öle steht ausdrücklich, dass sie gemeinsam mit FCA entwickelt wurden, und bei Stellantis nennt man diese Zusammenarbeit historisch. Laut Berichten der Fachpresse aus dem Jahr 2025 hat TotalEnergies ab 2026 für fünf Jahre die Erstbefüllung und die Lieferungen für den Aftermarket von Stellantis übernommen. Für Sie folgt daraus nur eines: Die Marke auf dem Kanister beim Händler kann sich ändern, der Code im Serviceheft nicht. Eine Marke ist nicht „richtiger“ als die andere, es entscheidet der Code.

Und noch eine Verwechslungsgefahr. 9.55550 sind keine Motoröle mehr: Unter dieser Nummer schreibt Fiat die Anforderungen an Getriebeflüssigkeiten fest. MZ6 steht zum Beispiel auf 75W-80-Ölen der Klasse GL-4 für Schaltgetriebe, AV1 oder AG1 auf Flüssigkeiten für Automatikgetriebe, HE2 auf Flüssigkeiten für Doppelkupplungsgetriebe. Ausgewählt werden sie genauso: nach dem Code aus den Unterlagen.

So prüfen Sie ein Öl anhand des Fiat-Codes

1. Der vollständige Code aus dem Serviceheft – samt Suffix. „9.55535“ ohne Buchstaben ist nur die halbe Adresse.

2. Etikett und Datenblatt des Öls. Eine echte Freigabe erkennt man an den Worten „approved“ oder „approval“, und in den Datenblättern mancher Öle steht daneben auch noch eine CTR-Freigabenummer. Derselbe Code hinter „meets“, „performance“, „suitable for“ oder „erfüllt die Anforderungen“ ist eine Aussage des Ölherstellers selbst. Und das sind die meisten: Bei den Ölen in unserem Katalog stehen die Fiat-Codes fast immer als „Erfüllt die Anforderungen“. Wie Sie diese Aufschriften unterscheiden, steht im Beitrag wie Sie die Freigabe eines Öls prüfen.

3. Bei FPW auch die Fassung. Diese Normen werden überarbeitet: /03 hat zum Beispiel mehrere Fassungen. Nachdem der britische Prüfdienst VLS die Angaben „erfüllt /03“ untersucht hatte, haben einige Verkäufer diese Aufschrift entfernt oder auf dem Etikett präzisiert, welcher Fassung das Öl entspricht.

4. Kein Heft zur Hand – FIN und Vertragshändler. Fiat-Modelle mehrerer Generationen, vor allem aber Autos mit Motoren anderer Konzerne (Renault-Diesel mit S4, amerikanische Motoren mit CR1), sind genau der Fall, in dem man nicht nach dem Hubraum raten darf. Und wenn in den Unterlagen PSA B71 steht, brauchen Sie den Beitrag über die Freigaben von Peugeot und Citroën.

Ich sage es noch einmal: Ein Fiat-Code wird nur vollständig gelesen – Nummer, Bindestrich, Suffix –, und ein Suffix gegen ein anderes zu tauschen, „weil die Ziffer größer ist“, geht nicht. Und wenn der Verkäufer beteuert, „S2 ist dasselbe wie S1, nur neuer“, bitten Sie ihn, Ihnen das im Serviceheft Ihres Fiat zu zeigen.

Öle mit Freigabe Fiat 9.55535-CR1

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Öle mit Freigabe Fiat 9.55535-M2

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