Was sind Ölfreigaben?

Oder: Warum Autohersteller eigene Standards erfinden

In dieser Rubrik: 7 Artikel
  1. Was sind Ölfreigaben?
  2. Alles beginnt mit dem Marketing …
  3. Motorkonstruktion und Motoröl
  4. Freigaben: ein wichtiger Parameter
  5. Kurz und bündig: Ölfreigaben
  6. Kurz und bündig: zur Verträglichkeit von Motoren und Ölen
  7. Neue Freigaben von Mercedes, VW und BMW: Was hat sich geändert?

Freigaben für Motoröl Dank der Artikel zur Viskosität von Öl und zur Klassifikation von Motoröl wissen Sie bereits, dass es anerkannte Verfahren gibt, Motoröl nach Qualität und Leistungsmerkmalen einzuteilen.

Doch vielen Autoherstellern reicht das offenbar nicht! Sie erfinden auch noch eigene Ölfreigaben und zertifizieren Motoröl nach diesen Freigaben für ihre Motoren.

Kurz gesagt: Die Freigabe eines Motorenherstellers ist ein konkreter Qualitätsstandard für Motoröl, in dem alle Parameter festgelegt sind, die der Fahrzeughersteller beim Einsatz eines solchen Öls in seinem Motor für verbindlich hält.

Das Verfahren zur Vergabe von Freigaben ist recht aufwendig: Um auf dem Etikett eines Motoröls eine bestimmte Herstellerfreigabe angeben zu dürfen, muss der Ölhersteller vom jeweiligen Autohersteller ein entsprechendes Zertifikat erhalten. Bevor der Autohersteller dieses Zertifikat ausstellt, führt er seinerseits recht aufwendige Prüfungen und Analysen des Motoröls durch. Bezahlt wird das Verfahren (und zwar nicht zu knapp) selbstverständlich vom Hersteller des Motoröls.

Welche Freigaben ein bestimmtes Motoröl besitzt, steht zwingend auf dem Etikett (siehe Abbildung). Steht dort nichts dergleichen, hat das Öl keine Freigabe, was auch immer der Verkäufer Ihnen erzählt.

Auch der Umgang mit Freigaben ist von Hersteller zu Hersteller verschieden. Die einen (etwa der VAG-Konzern – Volkswagen, Audi, Skoda, Seat – oder Daimler) entwickeln eigene Freigaben für verschiedene Motorentypen. Andere (zum Beispiel Porsche oder Opel) prüfen das Öl einfach auf Verträglichkeit mit all ihren Motoren zugleich, wobei es auch hier Ausnahmen gibt: Opel hat unterschiedliche Freigaben für Benzin- und Dieselmotoren, und Porsche genehmigt manche Öle mit dem Vorbehalt „für alle Motoren außer …“.

Manchmal steht neben der Freigabe auf dem Kanister der Hinweis „erfüllt die Anforderungen von …“, „empfohlen für …“ oder dasselbe auf Englisch. Das bedeutet, dass der Ölhersteller sich die Freigabe selbst zugesprochen hat und für diese Ölsorte kein Zertifikat des Autoherstellers vorliegt. Für sich genommen heißt das noch nicht, dass das Öl die Anforderungen nicht erfüllt: Die Anforderungen der Freigaben sind kein Geheimnis, und große Ölhersteller haben eigene, ernstzunehmende Labore. Aber hier geht es dann um Ihr Vertrauen in die Marke, und wenn Sie ein Öl mit echter, zertifizierter Freigabe kaufen können, kaufen Sie lieber dieses.

Und noch ein schwerer Irrtum: „Wenn das Öl für die neuesten Mercedes freigegeben ist, passt es erst recht für meinen alten Volkswagen.“ Freigaben werden als Präzisierung und Erweiterung der Anforderungen der universellen Klassifikationen für bestimmte Motoren entwickelt. Eine Freigabe ist daher kein Qualitätsmaßstab, sondern eher eine enge Spezialisierung des Öls. Und gerade für einen alten Volkswagen kann ein modernes Öl mit den neuesten Mercedes-Freigaben im wahrsten Sinne des Wortes zum Motorkiller werden.