ZF TE-ML, MAN 341, MB 236: Was bedeuten die Freigaben für Getriebeöle?

Oder: Warum stehen auf einem Getriebeölkanister manchmal acht ZF-Codes?

In dieser Rubrik: 15 Artikel
  1. Kurz und bündig: zum Wechsel des Getriebeöls
  2. Die Wahl der Kühlflüssigkeit
  3. Kühlflüssigkeit
  4. Kurz und bündig: Getriebeöle
  5. Tosol und Frostschutzmittel, die Betriebsflüssigkeiten unseres Autos
  6. Ethylenglykol und andere Errungenschaften zum Schutz des Autos
  7. Anti-Gel-Additive im Winter einsetzen
  8. Was ist Frostschutzmittel?
  9. Frostschutzmittel heute: G12evo, G13 und warum die Farbe nichts verrät
  10. Bremsflüssigkeit DOT 4 LV: Was füllt man nach und wann wechselt man?
  11. ATF, CVT und DSG: Was gehört in moderne Getriebe?
  12. Welche Öle und Flüssigkeiten braucht ein Elektroauto?
  13. Getriebeöl: GL-4 oder GL-5, 75W-90 oder 80W-90?
  14. ZF TE-ML, MAN 341, MB 236: Was bedeuten die Freigaben für Getriebeöle?
  15. Universal-ATF: Was bedeutet eine Liste mit zwanzig Spezifikationen?

Drehen Sie einen Kanister mineralisches 80W-90 um und lesen Sie die Rückseite: ZF TE-ML 02B, 05A, 12L, 12M, 16C, 17H, 19B, 21A, dazu MAN 341, MAN 342 und Scania STO. Acht Codes allein von ZF, und der Verkäufer führt das als Argument an: „Je mehr Codes, desto besser das Öl.“ Klingt logisch. In Wahrheit sagt eine lange Liste nur, dass das Öl für viele verschiedene Baugruppen geprüft wurde; für Ihre zählt allein, was genau für sie auf dem Typschild des Aggregats oder im Serviceheft steht.

Wie sich Flüssigkeiten für Automatikgetriebe von Ölen für Schaltgetriebe unterscheiden, steht schon im Beitrag über Flüssigkeiten für Getriebe, die API-Klassen und die SAE-Viskosität im Beitrag über Getriebeöl GL-4 und GL-5. Hier nehmen wir uns die Codes der Getriebe-, Achs- und Lkw-Hersteller vor.

So lesen Sie den Code ZF TE-ML

ZF TE-ML mit einer Nummer ist eine Schmierstoffliste von ZF, und jede Nummer gehört zu einer eigenen Familie von Baugruppen. Das sind die Listen, die Ihnen am häufigsten auf Kanistern begegnen:

Liste Für welche Baugruppen (laut ZF)
01 Schaltgetriebe von Lkw
02 Schalt- und automatisierte Getriebe von Lkw, Bussen, leichten Nutzfahrzeugen und Sonderfahrzeugen
03 Getriebe von Baumaschinen, Sonderfahrzeugen und Staplern
04 Schiffsgetriebe
05 Achsen von Baumaschinen
06 Traktorgetriebe und hydraulische Kraftheber
07 hydrostatisch-mechanische und elektrische Antriebe
11 Schalt-, Doppelkupplungs- und Automatikgetriebe von Pkw
12 Achsen und Radvorgelege von Bussen und Lkw
14 Ecomat-Automatikgetriebe
16 Getriebe von Schienenfahrzeugen
17 Getriebe und Achsen von Gabelstaplern
19 Verteilergetriebe von Nutzfahrzeugen
20 EcoLife-Automatikgetriebe
21 Achsen von Traktoren, Getriebe von Mähdreschern, Endantriebe

Die Listen 08 und 09 (Lenkgetriebe) führt ZF seit dem 1. April 2015 nicht mehr: Das sind jetzt Listen von Bosch.

Der Buchstabe hinter der Nummer ist die Schmierstoffklasse innerhalb einer Liste, und in jeder Liste bedeuten die Buchstaben etwas anderes. In TE-ML 05 ist die Klasse 05A ein Getriebeöl und 05C ein Öl mit Additiven für Sperrdifferenziale. In den Listen 03 und 04 sind 03D und 04D ATF, 03A und 04A dagegen Motoröle. Und in TE-ML 12 ist die Klasse 12G sogar ein Schmierfett. Mit anderen Worten: 21A und 14A haben nichts gemeinsam außer dem Buchstaben.

Jedes freigegebene Öl hat in der Liste eine Nummer wie ZF004860: „ZF“ und sechs Ziffern. Die Nummer gehört zu einer Rezeptur, und es kommt vor, dass dieselbe Nummer bei vier Klassen aus verschiedenen Listen steht. Die Freigabe gilt 12 Monate und wird nur verlängert, wenn der Ölhersteller bestätigt, dass sich die Rezeptur nicht geändert hat; jede neue Ausgabe der Liste ersetzt alle früheren (wie Sie das prüfen, steht im Beitrag So prüfen Sie die Freigabe eines Öls).

Warum es so viele Codes gibt

Die acht ZF-Klassen vom Anfang des Beitrags stammen aus dem Datenblatt eines einzigen mineralischen 80W-90: Lkw-Getriebe (02B), Achsen von Baumaschinen (05A), Achsen von Bussen und Lkw (12L, 12M), Schienenverkehr (16C), Stapler (17H), Verteilergetriebe (19B) und Traktoren (21A). Daher auch die häufigsten Codes in unserem Katalog – 21A, 05A, 17B, 19B, 12L: In der Regel sind das gewöhnliche Getriebeöle 80W-90 oder 75W-90, die der Hersteller für mehrere Listen hat prüfen lassen. 03D, 04D, 14A und 17C stehen dagegen auf ATF, das ZF für Ecomat-Automatikgetriebe, Stapler sowie Schiffs- und Geländegetriebe zulässt. In den Traktorlisten 06 und 21 finden sich außerdem Universal-Traktoröle, Motoröle und ATF; warum man ein Getriebe mit nassen Bremsen nicht mit „dem, was im Fass übrig war“ befüllt, steht im Beitrag über Öl für Landtechnik und Baumaschinen.

ZF warnt in den meisten Listen ausdrücklich: Die Liste dokumentiere lediglich Schmierstoffe, die auf Verträglichkeit mit ZF-Baugruppen geprüft wurden, und sei weder eine Empfehlung noch eine Bevorzugung eines Schmierstoffs gegenüber einem anderen. Acht Codes sind also keine „acht Qualitätsstufen“, sondern acht Klassen für verschiedene Baugruppen, und für jede Baugruppe Ihres Fahrzeugs zählt nur die Klasse, die dafür eingetragen ist.

Das betrifft auch Pkw. Die Klassen 11A und 11B in TE-ML 11 (oder, ohne Liste, mineralisches ATF nach den früheren Dexron II/III) sind Flüssigkeiten nur für ältere Drei- und die meisten Vierstufenautomaten von ZF. Die neueren Fünf-, Sechs-, Acht- und Neunstufenautomaten (und den Vierstufer 4HP20) befüllt man mit einer Spezialflüssigkeit (einzelne Versionen des 5HP18 sind eine Ausnahme), und für den Wechsel verweist ZF auf die Nummer der Originalflüssigkeit des Fahrzeugherstellers. Obwohl ZF diese Getriebe als wartungsfrei bezeichnet, rät der Hersteller, die Flüssigkeit nach 150 000 km zu wechseln, bei schweren Bedingungen oder unbekannter Vorgeschichte früher. Mehr dazu im Beitrag über Universal-ATF.

Das Intervall hängt an der Klasse

Das lange Intervall in den ZF-Listen kommt von der Ölklasse, nicht von einem „guten“ Getriebe. Das schreibt ZF für Getriebe nach TE-ML 02 vor (gewechselt wird nach dem Wert, der zuerst erreicht ist):

Einsatzbedingungen 02B 02L 02E
Fernverkehr, Durchschnittsgeschwindigkeit ab 60 km/h 180 000 km / 1 Jahr 360 000 km / 2 Jahre 600 000 km / 3 Jahre
heißes Klima, Fernverkehr über 50 t, Kurzstrecke, schwere Bedingungen, Linienbusse, 20-60 km/h 120 000 km / 1 Jahr 240 000 km / 2 Jahre 360 000 km / 3 Jahre
Geländeeinsatz, Steinbrüche, stationäre Antriebe, bis 20 km/h 1000 Betriebsstunden / 20 000 km / 1 Jahr 5000 Betriebsstunden / 100 000 km / 1 Jahr 10 000 Betriebsstunden / 200 000 km / 2 Jahre

Die Intervalle für 02E gelten nur für Getriebe mit einer Entlüftung, deren Schlauch an eine trockene Stelle geführt ist; ohne sie gelten die Intervalle für 02L (außer bei TraXon und Bussen). Welche Klassen überhaupt eingefüllt werden dürfen, gibt ZF für jede Getriebegruppe gesondert an.

Genauso bei den Bus-Automaten Ecomat: Mit ATF der Klasse 14A wechselt man die Flüssigkeit nach 30 000 km oder jährlich, mit den Klassen 14E und 14F nach 150 000 km oder alle drei Jahre. Beim ersten Umstieg von 14A oder 14B auf eine Flüssigkeit mit verlängertem Intervall verlangt ZF außerdem einen Zwischenwechsel: spätestens nach 60 000 km, längstens nach zwei Jahren. Bei den DIWA-Automaten von Voith ist es genauso: Die Flüssigkeit nach H55.6335 gilt bis 60 000 km, die nach H55.6336 bis 120 000 km, und eine Flüssigkeit der höheren Klasse deckt nach Angaben der Ölhersteller die niedrigere ab; das genaue Intervall hängt auch vom Getriebetyp ab.

Ein Öl der Klasse 02B einzufüllen und es nach dem Intervall von 02E zu wechseln heißt, damit mindestens dreimal so lange zu fahren, wie ZF erlaubt. Und noch etwas aus denselben Listen: Alle später zugesetzten Additive verändern das Öl unvorhersehbar, deshalb lässt ZF sie nicht zu und haftet nicht für Schäden durch sie.

Lkw-Codes: MAN, Mercedes-Benz, Volvo, Scania, Allison

Die Lkw-Hersteller legen eigene Codes fest, und bei jedem sind sie nach Baugruppe aufgeteilt:

Baugruppe MAN Mercedes-Benz → DTFR Volvo Scania
Schaltgetriebe 341 235.1 → 13B100 97307, 97318 STO 1:1 G, STO 2:0 G
Antriebsachse 342 235.0 → 12B100 97312, 97321 STO 1:0, STO 2:0 A
Automatikgetriebe (ATF) 339 236.1 → 13C100, 236.9 → 13C170 97341 -

MAN 341 steht auf Ölen für synchronisierte Getriebe (ein MAN-eigenes Öl 80W der Klasse GL-4), MAN 342 auf Ölen für Antriebsachsen und Endantriebe (GL-5), MAN 339 auf ATF. Was die Typen hinter der Nummer (Z2, E3, M3 und so weiter) bedeuten, habe ich in den öffentlichen MAN-Unterlagen nicht gefunden; gleichen Sie den Typ deshalb mit der Dokumentation Ihres Fahrzeugs ab und nicht mit einem „ähnlichen“ Code.

Die Blätter Mercedes-Benz 235.x gelten für Getriebeöle für Schaltgetriebe und Achsen, 236.x für ATF. Nach der Aufspaltung des Konzerns haben die Lkw-Blätter, wie schon die für Motoröle (siehe den Beitrag über Öl für den Lkw), DTFR-Bezeichnungen bekommen: 12 für Achsöle, 13B für Öle für Schaltgetriebe, 13C für ATF.

Volvo zeigt gut, warum man einen Code zusammen mit der Baugruppe liest. Das Volvo-Öl 75W-80 für die I-Shift-Getriebe (97307, 97318) taugt auch für ältere VT-Getriebe, aber Volvo verbietet es ausdrücklich für Getriebe mit Overdrive (ATO), die die Version 75W-90 brauchen, und für Automatikgetriebe, darunter Allison. Dieselbe Marke, dasselbe Zugmaschinenmodell – zwei verschiedene Öle.

Scania trennt seit 2017 die Öle für Achsen (Buchstabe A) und für Getriebe (Buchstabe G). Das frühere Universalöl STO 1:0 gehört jetzt zu den Achsen, obwohl man es in Getrieben von Fahrzeugen, die vor 2017 gebaut wurden, noch verwenden darf.

Allison empfiehlt für seine Automatikgetriebe im Straßeneinsatz Flüssigkeiten nach TES 668; TES 295, TES 468 und TES 389 bleiben freigegeben, aber auch hier rät Allison, beim nächsten Service einen Umstieg auf 668 zu erwägen. Für jede Spezifikation veröffentlicht Allison eine Liste freigegebener Flüssigkeiten, und im Datenblatt einer wirklich freigegebenen Flüssigkeit steht in der Regel die Freigabenummer. Die Aufschrift „Allison C-4“ steht bei ATF-Kanistern in unserem Katalog fast immer hinter „erfüllt“.

So prüfen Sie ein Getriebeöl

1. Typschild des Aggregats und Betriebsanleitung. Bei ZF-Getrieben nach den Listen 01 und 02 steht die Listennummer auf dem Typschild. Für andere Baugruppen verspricht ZF das nicht; suchen Sie den Code samt Klasse oder Typ deshalb in der Betriebsanleitung oder den Serviceunterlagen des Fahrzeugs.

2. Die Klasse, nicht nur die Listennummer. „TE-ML 02“ ohne Buchstaben ist ein halber Code: 02B, 02L und 02E haben unterschiedliche Intervalle.

3. Freigegeben oder nur „erfüllt“. In unserem Katalog stehen die ZF-Codes häufiger als Freigabe, die Blätter Mercedes-Benz 235/236 dagegen fast doppelt so oft als „erfüllt“, also als Angabe des Ölherstellers selbst. Die aktuellen Schmierstofflisten von ZF sind öffentlich: Suchen Sie das Öl nach Name und ZF-Nummer. Manche Klassen legt ZF nur über Anforderungen fest, ohne Produktliste. Für 07A sind das zum Beispiel API GL-5, MIL-PRF-2105E, SAE J2360, deshalb steht „07A“ auf dem Kanister fast immer hinter „erfüllt“.

4. Das Intervall richtet sich nach der Klasse des eingefüllten Öls. Ist die Vorgeschichte des Fahrzeugs unbekannt, wechseln Sie nach dem kürzeren Intervall und nicht nach dem längsten aus der Tabelle.

Ich wiederhole es noch einmal: Getriebeöl wählt man nach dem Code, der für Ihre Baugruppe eingetragen ist – vollständig, mit Liste, Klasse oder Typ –, und nicht nach der Zahl der Codes auf dem Kanister. Und wenn der Verkäufer versichert, dass ein Öl mit acht ZF-Codes „überall passt“, ist die Antwort einfach: Es passt in die Baugruppen, für die es geprüft wurde. Ob Ihre dazugehört, sagt das Schild am Getriebe oder die Betriebsanleitung.

Öle mit Freigabe ZF TE-ML 21A

Alle 52 Öle mit Freigabe ZF TE-ML 21A

Öle mit Freigabe ZF TE-ML 05A

Alle 45 Öle mit Freigabe ZF TE-ML 05A